Studieren im Harvard Lateinamerikas

Shuttle-Service am Flughafen, leben und studieren auf dem Gelände eines ehemaligen Country Clubs, tropische Vegetation und viel Sonne – das Auslandssemester an der besten Hochschule Lateinamerikas, der INCAE Business School in Costa Rica, versprach auf den ersten Blick ein Urlaubssemester zu werden.

Dass neben hervorragendem Service und luxuriöser Unterbringung auch Top-Leistungen gefordert waren, wurde zum Semesterstart überdeutlich. Ich hatte angenommen, dass die zahlreichen praktischen Projekte meines ISM-Marketing- Master-Studiums bereits sehr fordernd waren. Nun zeigte mir der Aufenthalt an der Außenstelle der Harvard University, dass ich noch mehr leisten konnte.

Wie in Havard wird auch an der INCAE anhand von Case Studies gelernt. Pro Woche bereitete ich in unterschiedlichen Teams ca. acht dieser Fallstudien vor, in denen reale Problemstellungen von Unternehmen auf 30–50 Seiten zusammengestellt sind. Auch die theoretischen Grundlagen wurden vor dem Unterricht aufgearbeitet. In den Vorlesungen diskutierten wir dann mit dem jeweiligen Professor und den Kommilitonen die erarbeiteten Lösungsansätze – je nach gewählter Vorlesung in Englisch oder Spanisch.

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Claudia Gamroth



Ich hatte die INCAE jedoch nicht nur ausgewählt, um an einer Top-Hochschule meine Fach- und Spanischkenntnisse auszubauen. Ich wollte auch eine weitere nicht europäische Kultur kennenlernen – die USA kannte ich bereits durch mein Bachelor-Studium. Last but not least, wollte ich in den Genuss von Sonne, Strand, Palmen und Abenteuer kommen. Dank Putzfrau, Fahrservice und Vollverpflegung auf dem Campus inklusive Fitnessraum und Swimmingpool blieb neben der intensiven Vorlesungsvorbereitung noch Zeit, um das Leben ein wenig zu genießen. Salsa-Partys in den abendlichen Lernpausen zählten ebenso dazu wie die vielen Wochenendausflüge, die ich mit anderen Austauschstudierenden unternahm.

Atemberaubend war die Natur Lateinamerikas: Costa Rica ist durch den Regenwald, der das Land dominiert, unglaublich grün. Im Nationalpark Caracá haben wir auf einer dreistündigen Tour viele seltene Tiere und Pflanzen gesehen, während sich Affen über uns von Baum zu Baum geschwungen haben: eine Fortbewegungsart, die garantiert vor klitschnassen Füßen schützt, die wir bei unserem Fußmarsch trotz Gummistiefeln hatten. In Guatemala stand ich dann zum ersten Mal in meinem Leben auf einem aktiven Vulkan, an dessen Spitze neben uns Lava herunterfloss. Selbst die getrockneten Steine waren noch so heiß, dass ich dort meine Schuhe ruinierte: Sie sind durch die Hitze geschmolzen... Auf der Insel La Ceiba, die zu Honduras gehört, war ich zum ersten Mal in meinem Leben tauchen – in einem der schönsten Tauchparadiese weltweit …

Weniger schön ist das Elend der Bevölkerung, die in heruntergekommenen Behausungen lebt. Viele von ihnen haben ihr ganzes Hab und Gut durch ein Hochwasser verloren. Obdachlos leben sie heute unter Plastikfolien in den Straßen Honduras und sind auf die Nahrungsmittel angewiesen, die ihnen die Insassen vorbeifahrender Autos schenken. Und obwohl die Menschen in diesem Land im Allgemeinen wesentlich weniger zum Leben haben als wir Deutschen, strahlen die Coster Ricaner generell mehr Lebensfreude aus.

Mit vielen tollen Eindrücken bin ich im November nach Deutschland zurückgekehrt, um meine Master Thesis bei Miles & More zu schreiben. Für mich war dies ein weiterer Schritt, um meinem Traum einer Karriere ein Stück näher zu kommen.

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