|
|
ErfahrungsberichtEin unvergessliches Semester in KanadaWas ich aus meinem Auslandssemester in Kanada mitgenommen habe? Die Liebe zu meiner Traumstadt Vancouver, ein paar Vorurteile weniger und viele neue Freundschaften. Allein dafür hat sich die Zeit gelohnt, die ich an der University of Victoria auf der wunderschönen Insel Vancouver Island an der Westküste Kanadas verbracht habe. Gewohnt habe ich in einem internationalen Studentenwohnheim mit Kanadiern, Spaniern, Skandinaviern und Asiaten. So lernt man schnell die kleinen Eigenheiten der verschiedenen Menschen kennen. Während meine Mitbewohnerin aus Tokio die ganze Nacht zu lernen schien, feierte die Kanadierin nebenan oft mit Freunden die Nächte durch – dank dünner Wände nahm ich ebenfalls regelmäßig daran teil. Probleme mit der Eingewöhnung hatte ich dank der freundlichen Art der Kanadier nicht. Selten habe ich derart hilfsbereite Menschen kennen gelernt. Nicht nur meine Kommilitonen und Dozenten hatten immer ein offenes Ohr, auch fremde Menschen sind hier immer freundlich. Der Unterricht in Kanada war – ähnlich wie an der ISM – sehr praxisorientiert. Dabei spielten Internationalität und kulturelle Kompetenzen eine wichtige Rolle. In einem Seminar entwickelten wir beispielsweise einen Cultural Simulator, der Verhandlungen zwischen Chinesen und internationalen Gesprächspartnern erleichtern sollte. In Rollenspielen trainierten wir zudem verschiedene Verhandlungssituationen. Neu war für mich die Art der Prüfungen. Ungefähr alle sechs Wochen wurde eine Klausur geschrieben. Das bedeutete: Immer wieder lernen!
Insa Schomacker Trotzdem blieb uns genug Freizeit, die wir auf typisch kanadische Art verbrachten. Eine meiner schönsten Erinnerungen aus meinem Auslandssemester ist der Besuch eines Hockeyspiels der Vancouver Canucks. Den Spirit und die Sportbegeisterung der Kanadier live zu erleben war faszinierend. Gern erinnere ich mich auch an das Wochenende in Tofino, wo ich mit einer Gruppe internationaler Studenten surfen war. Wir wohnten in einer Jugendherberge und stürzten uns in die Wellen, was nicht wirklich einfach, aber bei Sonnenuntergang ein einmaliges Erlebnis war. Diese Sport- und Naturbegeisterung ist typisch für die Kanadier. Zudem sind sie sehr ausgeglichen. Verärgern kann man sie nur, wenn man sie mit Amerikanern vergleicht – dann sind sie tödlich beleidigt. Sehr überrascht hat mich das mediterrane Klima in Victoria. Ich dachte, dass Kanada im Winter sehr kalt wäre. Tatsächlich ist Schnee in Victoria aber eher eine Seltenheit. So waren die Kanadier auch reichlich überfordert, als an einem Tag 40 cm Neuschnee gefallen waren. Die Folge: Es fuhr kein Bus und der Campus blieb für einen ganzen Tag gesperrt. Ich glaube an dem Tag war ganz Victoria auf den Beinen und hat eine Schneeballschlacht veranstaltet. Eine Kanadierin erzählte mir ganz begeistert, dass es ein solches Chaos in Victoria das letzte Mal vor zehn Jahren gegeben hat. Worin uns die Kanadier dagegen voraus sind, ist das Rauchverbot in Restaurants und Diskotheken. Diese Regelung habe ich während meines Auslandssemesters immer sehr genossen und mir gedacht, wie schön es wäre, wenn sich das Verbot auch bald in Deutschland durchsetzen würde. Rückblickend muss ich sagen, dass das Leben im Studentenwohnheim sehr spannend und witzig ist, man sich aber auch auf einen hohen Lärmpegel einstellen sollte. Victoria ist auf jeden Fall einen Besuch wert und auch das ganze Land hat mich sehr begeistert. Die Schönheit Kanadas, wie man sie aus Fernsehen und Büchern kennt, kann ich nur bestätigen. Und wenn ich Glück habe, treffe ich auch einige meiner „Kommilitonen auf Zeit“ demnächst in München wieder. Insa Schomacker |