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Praktikum im boomenden OstenMein Auslandspraktikum stand an und ich stand vor einer schwierigen Entscheidung: Sonne, Strand und spanische Lebensweise auf der Insel Mallorca oder doch lieber eine ungewisse Reise in Polens Hauptstadt Warschau? Ich entschied mich gegen die Sonne, um meinen Horizont im Osten zu erweitern. Für zwei Monate nahm ich die Herausforderung an, und trat mein Paktikum bei der Tochtergesellschaft des größten Zeitungshauses Europas an - ohne auch nur einen Satz polnisch zu sprechen. Ich war auf alles gefasst und gespannt, wie mir Polen - ein Land mit bewegter Vergangenheit - gefallen würde. Gearbeitet habe ich für Axel Springer Polska. Der Verlag wurde 2003 mit FAKT, die nach dem Vorbild der BILD Zeitung konzipiert wurde, innerhalb von zwei Monaten zum Marktführer und zählt mittlerweile zu den größten Medienhäusern Polens. Doch was war mein Projekt? Als Assistentin der Geschäftsführung sollte ich innerhalb von acht Wochen den Abonnementverkauf der WELT am SONNTAG forcieren. Anders als in Deutschland werden in Polen nur selten Abonnements verkauft, da die Briefkästen in vielen Wohnsiedlungen meist zu klein sind, um eine Zeitung mit einem Umfang von 80 Seiten aufzunehmen. So stehen die Zeitungen über den Rand des Briefkastens hinaus und werden gestohlen. Mit dieser Erkenntnis machte ich mich an die Arbeit, entwickelte ein Konzept und begann es mit Verhandlungsgeschick umzusetzen. Trotz spannender Aufgaben gewöhnte ich mich nur langsam an Warschau, da die Briefkästen nicht der einzige Unterschied zu Deutschland waren. Jeden Tag fuhr ich eine Stunde mit Bussen zur Arbeit, die in Deutschland längst nicht mehr durch den TÜV gekommen wären.
Cornelia Bense Mein Vertrauen in das Transportmittel wurde vollständig zerstört, als mein herannahender Bus plötzlich einen fürchterlichen Knall von sich gab und im hinteren Teil brannte. Wenig begeistert nahm ich den Ersatzbus - was genau passiert war, verstand ich erst, als ich die Bilder in der Tageszeitung sah und meine Kollegen mich "beruhigten": Hier werden Busse erst ersetzt, wenn sie wirklich nicht mehr einsatzfähig sind. Dafür hat die Stadt kulturell vieles zu bieten: Meine Wochenenden nutzte ich, um von der Turmspitze des Kulturpalastes den traumhaften Blick über Warschau zu genießen oder um in der beliebtesten Einkaufsstraße - der wunderschönen Straße "Nowy Swiat" ("Neue Welt") - einzukaufen. Eine sonntägliche Tradition sind die Schlosspark-Konzerte des Komponisten Frédéric Chopin (1810-1849) und die anschließende Schlossbesichtigung. Ein Besuch des ehemaligen Warschauer Ghettos und des Umschlagplatzes zeigte, dass die Vergangenheit dem regen, jugendlichen Treiben gewichen ist. Gleichzeitig erinnern Mahnmale an die tragische Zeit im zweiten Weltkrieg. Ein besonderes Highlight war mein Ausflug mit der Eisenbahn in die Stadt Krakau, die zu Recht die heimliche Hauptstadt Polens ist. Als ich nach acht Wochen nach Deutschland zurückkehrte, nahm ich viele gemischte Eindrücke mit nach Hause. Und trotzdem: Wenn ich noch mal vor der Wahl stünde, würde ich wieder nach Polen gehen. Es war eine sehr spannende Erfahrung, durch das Praktikum ein Gefühl für die boomenden osteuropäischen Märkte zu entwickeln. |