Studiengänge
 

Erfahrungsbericht

Ein Semester im "Land der aufgehenden Sonne"

Mit jungen Menschen aus über 70 verschiedenen Nationen studieren – in einem Land, in dem Arbeitseifer und Organisation Lebensinhalt sind. Diese Chance ließ ich mir nicht entgehen! So verbrachte ich als erste ISM’lerin vier ereignisreiche Monate an der neuen Partneruniversität der ISM, der Ritsumeikan Asian Pacific University (APU auf der japanischen Insel Kyushu).

Anfängliche Sprachbarrieren und die Schwierigkeit, Preise oder Namen zu lesen, wurden dank eines intensiven Sprach- und Zeichenschreibkurses immer kleiner. Dabei erleichterte mir vor allem der Kollektivgedanke Japans den Alltag. Nie fühlte ich mich als Einzelkämpfer, immer gehörte ich zu einer Gruppe. An den Unterricht musste ich mich dagegen erst gewöhnen. Ein Austausch von Meinungen findet – anders als an der ISM – kaum statt. Gerade die asiatischen Professoren sind kritischen Fragen gegenüber wenig offen eingestellt. Zwar animieren die eher westlich orientierten Dozenten ihre Studierenden schon weitaus mehr zur Interaktion im Unterricht, diese fällt den japanischen Studenten aber sehr schwer. So verzweifelte ich während einer Präsentation, die meine Kommilitonen zur Äußerung kontroverser Meinungen bewegen sollte, fast an der Stille und passiven Haltung im Raum.

Fasziniert war ich von den unzähligen Veranstaltungen an der Hochschule. Im April feierten wir die traditionelle Kirschblüte (Hanami) mit einem gemeinsamen Mittagessen im Park. Beliebt ist auch das jährliche Tanabata Festival am 7. Juli, bei dem Bambusbäume aufgestellt werden, an die jeder Zettel mit seinen persönlichen Wünschen für die Zukunft heften kann. Darüber hinaus veranstaltete die Hochschule Länderthemenwochen, in denen jeweils eine Nation ihre Esskulturen, Kunst und Musik vorstellt. Den Höhepunkt bildete eine zweistündige Freitagabendshow, in der u.a. traditionelle indonesische Gesänge oder die Tänze des chinesischen Drachen gezeigt wurden.

Aber nicht nur die Vielfalt der Nationen an meiner japanischen Hochschule war beeindruckend, sondern auch der Nationalitäten-Mix einzelner Personen. So führte die einfache Frage „Wo kommst Du her?“ oft zu einer endlosen Antwort: „Mein Vater ist Brite, meine Mutter Japanerin. Geboren bin ich in Hongkong, aber laut Pass Kanadier. Gerade komme ich von meinen Großeltern, die in Südafrika leben, und nun studiere ich in Japan.“ Der Kontakt zu einer solch multikulturellen Gemeinschaft weckt natürlich die Lust, zu reisen. Und auch dafür hatte ich Zeit: Auf einem Trip durch Japan wohnte ich einer buddhistischen Meditation in einer alten Tempelanlage bei, nahm an einer traditionellen Tee-Zeremonie im Herzen Kyotos teil, fotografierte echte Geishas auf dem Weg zu ihrer Arbeit und erlebte die entgegen meiner Erwartungen unglaublich lebendige Stadt Hiroshima im Kampf für den Frieden. Auf all meinen Ausflügen wurde ich mit der Hilfsbereitschaft der Menschen, der Sauberkeit der Städte und dem stets perfekten Image des Landes konfrontiert. Es gibt keine beschmierten Mauern oder zerstörte Telefonzellen, da die Menschen sich und den Besitz anderer respektieren. Sogar mein vergessener 100 YEN (= 70 Cent) Regenschirm fand wieder zu mir. Meine Lust, in fremden Ländern zu leben und auch zu arbeiten ist durch mein Auslandsemester noch mehr gewachsen. Mit meiner Neugier und offenen Art habe ich unzählige neue Freunde gefunden, durch die die Welt ein bisschen kleiner und erreichbarer geworden ist. Und vielleicht erfüllt sich irgendwann auch mein Tanabata-Wunsch...

Ricky Schulze

 Zurück zur letzten Seite


Ricky Schulze

Ricky Schulze











Herausgeber/Editor: International School of Management (ISM) · Technologiepark - Otto-Hahn-Straße 19 · D-44227 Dortmund
Tel. +49 (0) 231 975 139-0 · Fax +49 (0) 231 975 139-39 · ism.dortmund@ism.de · http://www.ism.de
HRB 10624 Amtsgericht Dortmund · Impressum & Disclaimer