ErfahrungsberichtKarrieresprungbrett DeutschlandDie persönliche Weiterentwicklung und die besseren Karrierechancen waren für die Chinesinnen Liuyi Tan, Xiaohan Li und Mao Mao der Grund, sich für das ISM-Studium zu entscheiden. 2007 schrieben sich die drei Studentinnen der Hunan University in China in das 2+2 Programm ein (wir berichteten). "In China sind Arbeitskräfte sehr günstig. Geht es dem Unternehmen wirtschaftlich schlecht, kann es vorkommen, dass die Mitarbeiter für ihre Arbeit kein Geld erhalten", so Mao. Li führt fort: "In Deutschland ist das anders. Ich würde später gern bei einer Bank oder einem großen bekannten Unternehmen wie Bosch oder Mercedes Benz arbeiten. Hierfür benötige ich internationale Kenntnisse, die ich mir im Ausland aneigne. Mir ist es wichtig, von unterschiedlichen Kulturen zu lernen, ein größeres Blickfeld zu bekommen und so eine bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben." Für dieses Ziel nehmen die Studentinnen so manche ungewohnte Situation in Kauf. Denn nicht nur die deutschsprachigen Vorlesungen sind eine große Herausforderung, auch in der Freizeit werden sie mit vielen deutschen Besonderheiten konfrontiert. So sind öffentliche Verkehrsmittel vergleichsweise sehr pünktlich, allerdings darf man in ihnen weder essen und trinken noch laute Musik hören. Dafür ist es in Deutschland Gang und Gebe zu hupen, während dieses Vergehen in China mit Geldbußen bestraft wird. Besonders positiv empfinden die Kommilitoninnen ihren Schritt in die Selbständigkeit.
Da sie in China noch bei ihren Eltern wohnen und chinesische Restaurants günstiges, gutes Essen anbieten, haben sie zu Hause selten gekocht. "In Deutschland Essen zu gehen ist sehr teuer. Daher kaufe ich hier selbst ein und koche auch. Einen Vorteil hat die eigene Küche: Ich kann auf den Käse verzichten, der in Deutschland viel verarbeitet wird. Zwar schmeckt er gut, aber das Zunehmen fällt auch doppelt leicht", erzählt Tan. Beim Einkauf setzen die Kommilitoninnen auf deutsche Produkte, deren Qualität sie fasziniert. "Vergleicht man z.B. Shampoo aus Deutschland mit dem aus China, dann wird klar, dass eine geringere Menge an deutschem Shampoo die gleiche Wirkung erzielt", berichtet Tan. Ungewohnt war für die jungen Frauen das Tragen von Anzügen. Während in China nur Mitarbeiter großer Unternehmen bei wichtigen Konferenzen in Businesskleidung erscheinen, tragen an der ISM auch die Studentinnen Anzüge, wenn sie Präsentationen halten. Leger ist dafür das "Partyleben" in Dortmund. "Die Deutschen gehen gern tanzen und feiern laut, während die Chinesen eher gemeinsam essen und singen", schildern die Freundinnen. Im Juli dieses Jahres fliegen die Studentinnen wieder zurück nach China, wo sie ein Praktikum absolvieren. Mit im Gepäck haben sie viele Bilder aus Dortmund, vor allem vom Herbst. "Zwar spürt man in Hunan die Jahreszeiten, aber die Blätter an den Bäumen bleiben grün. Ich glaube, meinen Freunden werden die Herbstfotos sehr gut gefallen, wenn ich sie ihnen vorführe", freut sich Tan auf die "Stippvisite". Anschließend ist dann ein gemeinsamer Shoppingtag geplant – der in der Heimat auch endlich wieder sonntags stattfinden kann. |