Praktikum auf St. Lucia

First Class in der Karibik

Der Sommer 2003 fand für mich in der Karibik statt. Ich war dort nicht etwa um Urlaub zu machen, sondern um als Praktikant im Resort Hotel auf St. Lucia zu arbeiten. Für mich war dies ein Erlebnis, das sich deutlich von meinen letzten Praktika, im Plaza Athénée in Paris, sowie dem Adlon in Berlin, unterschied.

Das Sandals Regency St.Lucia Golf Resort & Spa at La Toc, kurz gesagt Sandals Regency, ist eines von insgesamt 21 Resort Hotels der Sandals und Beaches Gruppe mit Sitz in Jamaica.Alle Resorts bieten einen sogenannten "ultra-all-inclusive" Service, bei dem so gut wie alles bereits im Buchungspreis inbegriffen ist: Vollpension in den sechs Restaurants und neun Bars der Anlage, alle Sportaktivitäten wie Golf, Tennis, Windsurfen, Wasserski oder Tauchen, kleinere Ausflüge mit der Clubyacht zu einer der Nachbarinseln... Das besondere und außergewöhnliche an Sandals sind jedoch die Gäste: Das Motto lautet "Couples only!". Auf St.Lucia gibt es gleich drei Sandals Resorts, die durch einen Shuttle Service verbunden sind, so dass den Gästen alle drei Anlagen zur Verfügung stehen. Insgesamt hat man so jeden Tag die Auswahl zwischen 16 Restaurants und 21 Bars.

Gearbeitet habe ich in der größten Anlage, dem Sandals Regency. Dort war es meine Aufgabe, das Resort Hotel auf Stärken und Schwächen hin zu untersuchen, um darauf aufbauend Verbesserungsvorschläge, Anregungen und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Vorwiegend ging es dabei um die Analyse des Services in den Bereichen F&B (Food and Beverage), Sales and Marketing und Concierge Desk. Mir wurde das Ziel vorgeben, das Resort für anspruchsvollere Gäste - zumeist aus Europa und Asien - attraktiver zu machen. Im Rahmen meiner zwölfwöchigen Arbeit beobachtete und analysierte ich die Arbeitsabläufe in allen Restaurants und Bars. Die theoretischen Grundlagen aus dem ISM-Studium halfen mir bei der Entscheidung über die Herangehensweise und die Lokalisierung von Fehlern und Mängeln ebenso wie die Erfahrung aus vergangenen Praktika und Praxistätigkeiten. Fazit meiner Analysen war, dass die Mitarbeiter im Service manche Arbeitstechniken aus deutscher Perspektive optimieren mussten.

Carl-Christian Vogelsang,
verbrachte sein Projekt-
praktikum in der Karibik - im Sandals Regency St. Lucia Golf Resort & Spa at La Toc.


Anders als externe Berater bin ich neben der Erstellung eines Abschlußberichts auch für die Umsetzung der Verbesserungsvorschläge verantwortlich gewesen. Dabei ist es eine wirkliche Herausforderung, einer fremden Kultur ihre Serviceschwächen aufzuzeigen. Hinzu kam, dass die meisten meiner dortigen Kollegen mindestens 30 Jahre mehr Erfahrungen in der Gastronomie gesammelt hatten als ich, nur eben andere. Gearbeitet werden musste an kleinen aber wichtigen Schönheitsfehlern: Kellner dürfen das Weinglas nicht am Hals anfassen und die Servietten-Falttechniken für den abendlichen Dinnertisch sollten variieren. Bei fehlendem Augenkontakt der Hostess fühlt sich der Gast vernachlässigt und ein Pina Colada sollte immer als solcher zu erkennen sein.

Meine größte Herausforderung war die Implementierung eines ordentlichen Zeitmanagements im Restaurant. Eine Wartezeit von 60 Minuten ist für die Lucains normal - für amerikanische Gäste eine unzumutbare Ewigkeit. Nichts zu bemängeln gab es an der Freundlichkeit der Mitarbeiter. Die fröhliche und stets gut gelaunte Persönlichkeit der Lucians ist einmalig. Allerdings sollten sich Besucher darauf einstellen, dass in der Karibik so manches anders und meistens langsamer läuft. Gerade dies macht die Karibik für Urlauber so interessant. Ausländische Mitarbeiter müssen lernen, sich in diesem kulturellen Umfeld zurecht zufinden. Das Praktikum bei Sandals auf St.Lucia hat mich um enorm viele kulturelle Erfahrungen bereichert und ich werde St.Lucia bald möglichst wiederbesuchen. Ein wunderschöner Inselstaat, dessen Bewohner die Hauptsehenswürdigkeit der Insel sind, obwohl es hunderte von malerisch schönen Stellen auf St.Lucia gibt, die die Insel mit Sicherheit zu einer der schönsten der Karibik machen.

Allen zukünftigen Praktikanten, die sich zum ersten Mal für längere Zeit in eine fremde Kultur begeben, möchte ich raten, sich nach der wörtlichen Bedeutung ihres Namens zu erkundigen. Ich bin 12 Wochen lang mit "CARL" auf dem Namensschild an der Brust im Hotel herumgelaufen. Dieses Wort bedeutet auf Patois - neben Englisch die zweite Nationalsprache St.Lucia´s - "Schwanz" oder "Schweif". Ich bin nicht sicher, ob die Lucians vielleicht auf Grund dieses Namens stets ein Lächeln auf dem Gesicht hatten, wenn sie mich sahen...

Carl-Christian Vogelsang

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