|
|
ErfahrungsberichtDer finnische AlltagAnfangs hat mich jeder skeptisch gefragt, warum ich ausgerechnet nach Finnland gehe. Doch ich war überzeugt, dass ich dort eine tolle Zeit verbringen würde und behielt Recht! Noch heute fange ich an zu strahlen, wenn ich mir die Fotos von meinem Auslandssemester anschaue. Mein Interesse für die finnische Kultur weckte meine finnische Gastschwester während meines High School Aufenthaltes in England. Als es dann um die Wahl meines Auslandssemesters ging, empfahl mir das International Office der ISM die HAAGA-HELIA University of Applied Sciences. Ende Februar 2007 war es dann soweit. Voller Erwartungen saß ich in einem Flugzeug Richtung Porvoo, nahe Helsinki. Gewohnt habe ich dort in einer WG im Studentenwohnheim – gemeinsam mit einer Französin und einer Spanierin. Schnell entstand im Studentendorf eine internationale Gemeinschaft, die jeden Morgen in einer großen Gruppe eine Stunde zur Universität und nachmittags wieder zurück lief. Meist war es dunkel und wir stapften durch hohen Schnee. Eine wunderbare Tradition, die ich sehr vermisse und die wir den hohen Preisen für Bustickets verdankten. Und auch sonst tauchte ich dank des tollen Austauschprogramms der Universität voll und ganz in die finnische Lebensweise ein. So gab es einen Wahlpflichtkurs „Skifahren und Snowboarden“, viele Ausflüge und Sprachunterricht. Gemeinsam mit einer Finnin habe ich zudem an einem „Tandemprojekt“ teilgenommen. Ziel des Projektes war es, die Kultur des anderen kennen zu lernen. Jedes unserer Treffen stand unter einem bestimmten Motto: Musik, Sport, die Uni oder Filme. An einem Nachmittag besuchten wir zudem ihre Eltern und ich lernte die finnische Gemütlichkeit schätzen. Die Häuser dort haben ein ganz anderes Flair als in Deutschland. Die Einrichtung ist sehr rustikal, Holzböden und -wände gehören ebenso zur Standardausstattung wie eine Sauna. Ebenfalls ungewohnt war, dass die Finnen ihre Häuser nur abschließen, wenn sie in den Urlaub fahren – dank einer nullprozentigen Kriminalitätsrate ist diese Vorsicht im Alltag nicht nötig.
Lisa Mieden Unsere Freizeit verbrachten wir tagsüber sehr sportlich und abends gemütlich. Da es im Winter um 10 Uhr hell und um halb vier wieder dunkel wird, haben wir oft zusammen gekocht oder DVD‘s angeschaut. Doch beschränkte sich meine Freizeit nicht nur auf die eigenen vier Wände. Mein absolutes Highlight war eine Huskyschlittentour durch Lappland. Bei sonnigen minus 17 Grad sind wir durch den Schnee gesaust – ein wunderschönes Erlebnis! Am nächsten Tag haben wir uns Snowscooter ausgeliehen und wurden prompt von der Polizei angehalten. Denn anders als in Deutschland müssen hier nicht die Autofahrer, sondern die Snowscooter-Fahrer in das Kontrollröhrchen pusten. Das Auslandssemester war eine tolle Zeit. Viele Freunde haben mir gesagt, dass ich schon lange nicht mehr so gesund und zufrieden ausgesehen hätte wie auf meinen Finnland-Fotos. Die Ruhe und die offene und unkomplizierte Art der Menschen haben mir sehr gut getan. Sie sind aber auch ein Grund, warum ich nicht jedem ein Auslandssemester in Finnland empfehlen würde. Wer abends gern auf Partys und in Diskotheken geht, findet dort nicht das Richtige.
Ich dagegen habe in Finnland genau das gefunden, was ich gesucht habe. Lisa Mieden |