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Ecuador - Entspannt Leben und Arbeiten

Ein Praxissemester in Ecuador: Ich würde nicht nur meine Spanischkenntnisse vertiefen, sondern auch eine komplett andere Kultur kennen lernen! Voller Erwartungen begann ich daher mein 5-monatiges Praktikum in der Zentralbank Ecuadors, wo ich in der Abteilung Wirtschaftsforschung mein eigenes Projekt bearbeitete.

Gemeinsam mit einem Team hatte ich die Aufgabe, den ecuadorianischen Privatbankensektor zu analysieren. Schnell stellte ich fest, dass hier alles entspannter läuft. Das Arbeitstempo erschien aus Perspektive eines Deutschen eher langsam. Gleichzeitig gingen die Menschen viel freundlicher miteinander um. Ob Kollege, Praktikant oder Chef - jeder wurde mit Handschlag und „hola“ begrüßt. Auch sonst sind die Ecuadorianer nette und hilfsbereite Menschen. Die ersten Wochen wohnte ich in einer Gastfamilie und auch nach meinem Umzug in eine WG behandelten sie mich noch wie ihren "Adoptivsohn". Doch hat Ecuador auch negative Seiten: Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist enorm. Villen stehen in deutlichem Gegensatz zu ärmlichen Hütten mit Wellblechdächern, die nur von großen Steinen gehalten werden. Beide Gesellschaftsschichten mischen sich im Alltag. So bot sich mir eines Morgens auf dem Weg zur Zentralbank ein ungewöhnliches Bild: Ein alter Mann lief in der Innenstadt mit drei Ziegen auf dem Bürgersteig entlang und schrie "Milch, Milch, Milch". In der Fußgängerzone einer deutschen Großstadt wäre dies kaum vorstellbar und vermutlich sogar verboten. Ähnlich ungewöhnlich sind die Preise. Für Europäer ist Ecuador ein günstiges Land. Ein komplettes Mittagessen bekommt man für zwei bis drei USDollar, ebenso günstig ist eine Taxifahrt. Doch nicht nur die kulturellen Besonderheiten Ecuadors, auch die landschaftliche Vielfalt hat mir eine Fülle von Erlebnissen ermöglicht, die ich nicht vergessen werde: In Vulkanquellen baden, Canyoning, Rafting und ein Flug zu den Galapagos-Inseln. Gern erinnere ich mich auch immer wieder an das störrische Pferd, das bei einem Wanderritt durch die Berge meine Fähigkeiten als Cowboy auf die Probe gestellt hat.

Marc Lein

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