Erfahrungsbericht

Mein Auslandssemester in Neuseeland und das Praktikum
für einen guten Zweck

Da steht es nun also auf meinem Wohnzimmerteppich und ist nicht wegzureden. Ein zehn Kilo schweres Paket. Der Postbote hat es gerade gebracht. Empfänger: ich. Absender: ebenfalls ich. Da steht es nun, Beweis und endgültiger Schlusspunkt der letzten sechs Monate, aber auch lebendige Erinnerung, die zum ersten Mal Bilder und Erlebnisse wieder vor mein geistiges Auge ruft, seit ich zurück in Dortmund bin.

Tag vor meinem Rückflug nach Deutschland bemerke ich, dass meine Habseligkeiten nicht in meine Koffer passen wollen. In einem halben Jahr hat sich einiges angesammelt. Nicht nur Materielles, sondern Erinnerungen, Erfahrungen und Freundschaften. Kein Wunder, war es doch der aufregendste Abschnitt meines Lebens. Ich habe Surfen gelernt, Wale vorm Stranden gerettet, mitten in einem Gletscher gestanden und vor dem Haus von Bilbo Beutlin. Auf Samoa habe ich unter Kokosnusspalmen am weißen Sandstrand das Leben vorbeiziehen lassen. Aber auch zur Uni, der Unitec, bin ich gegangen. Dies war schließlich der vordergründige Antrieb für meinen Auslandsaufenthalt. Die Vorlesungen nicht sehr fordernd, wenn man sich erst an den neuseeländischen Akzent gewöhnt hatte. Dafür ging bei den Klausuren ganz schön die Post ab: das Niveau lag deutlich über dem des Unterrichts. Denn das eigentliche Studium fand in Heimarbeit mit unzähligen Büchern statt. Zum Ausgleich konnte ich mich in einem Photoshop-Kurs kreativ austoben und in der Freizeit half der riesige grüne Campus, sich zu erholen.

Meine Englischkenntnisse verbesserte ich zudem bei einem Praktikum in der Kommunikationsabteilung der internationalen Hilfsorganisation Oxfam.

Julian Schoenbeck

Julian Schönbeck




Dort betreute ich einen Spendenlauf, bei dem mehr als eintausend Teilnehmer jeweils 100km liefen. Ich war vor Ort, fotografierte und berichtete live über das Internet. In den folgenden Wochen schrieb ich Pressetexte und versuchte, diese in Zeitungen und Zeitschriften unterzubringen. Es erschienen mehr als neunzig Artikel, basierend auf meinen Pressetexten und Oxfam erhielt Spenden von mehr als 400.000 Euro.

In Neuseeland ist der Arbeitsalltag weniger hektisch als bei uns. So wird bei Oxfam jeden Morgen eine halbstündige Teepause gemeinsam verbracht. Insgesamt geht alles etwas ruhiger und gelassener zu. Das änderte sich mit dem Zyklon in Myanmar, bei dem mehr als 70.000 Menschen starben. Am nächsten Tag herrschte bei Oxfam Chaos und Bestürzung. Viele Mitarbeiter hingen am Telefon und riefen Fragen von einem Ende des Großraumbüros zum anderen. Oxfam hat zwar keine Niederlassung in Myanmar, aber viele Partner und Freunde. Wenig später sah alles schon wieder viel organsierter aus. Spendenaufrufe wurden veröffentlicht und erste Hilfsmaßnahmen vorbereitet. Trotz der tragischen Katastrophe lag eine energiegeladene, positive Stimmung in der Luft.

Und nun, während ich mein Paket aus Neuseeland auspacke, kann ich diese Stimmung wieder spüren. Ich habe ferne Länder bereist, viel gelernt und neue Freunde gefunden. Jetzt geht es weiter, hier in Dortmund.

Julian Schönbeck

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