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ErfahrungsberichtArbeiten in AustralienFür mich hat sich direkt nach dem Studium mein Traum erfüllt: Arbeiten in Australien. Das Angebot bei Sewells – einer Unternehmensberatung, die sich auf die internationale Entwicklung von Automobilhändlern spezialisiert hat – in Melbourne in das Berufsleben zu starten, bekam ich bereits vor dem Studienabschluss im Juni 2007... Mein heutiger Chef ist durch mein Praktikum und meine Diplomarbeit bei BMW auf mich aufmerksam geworden. Und so hat mich das Jahr bei BMW meinem Traum ein gutes Stück näher gebracht. Die größte Hürde war die australische Arbeitserlaubnis, die erst kurz vor meinem Abflug kam. In Melbourne wartete dann die eigentliche Herausforderung: Der erste richtige Job nach der Uni. Trotz zahlreicher Praktika war dies eine Umstellung. Als Project Consultant habe ich in einem kleinen Unternehmen durch die flachen Hierarchien viel Freiraum und Mitspracherecht. Gleichzeitig bin ich oft auf mich selbst gestellt und muss eigene Entscheidungen treffen und vertreten. Das Einleben in Australien war für mich dagegen relativ einfach. Da ich als Aupair in Australien gearbeitet habe und sowohl Praktika als auch ein Auslandssemester auf dem fünften Kontinent verbracht habe, kannte ich bereits viele Australier.
Nele Walker Zudem ist die Arbeitsmentalität der Australier unserer sehr ähnlich, wenngleich die Arbeitsatmosphäre etwas relaxter, offener und optimistischer ist als in Deutschland. Work-life Balance wird hier groß geschrieben und nach 19 Uhr ist niemand mehr im Büro. Dafür gibt es in Australien weniger Feiertage und Urlaub. Allerdings gilt auch hier, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. Wenn Termine eingehalten werden müssen, dann wird auch in Australien bis in die Nacht und an den Wochenenden gearbeitet. Momentan manage ich zwei Projekte – ein kleineres in Melbourne und ein großes für einen japanischen Automobilhersteller. Letztgenanntes hat mir in den letzten sechs Monaten vor allem Flexibilität und Geduld abverlangt. Während Entscheidungsprozesse bei den Japanern sehr lange dauern können, gehen sie umgekehrt davon aus, dass Arbeiten von der einen Sekunde auf die andere erledigt werden. Die Erwartungen sind sehr hoch und gelegentlich auch unrealistisch. Anfangs hat mich das sehr frustriert, bis ich gelernt habe die Erwartungen zu managen. Trotz dieser Herausforderungen genieße ich die internationale Arbeit, durch die ich viele verschiedene Kulturen kennen lerne, aber auch viel Zeit auf Flughäfen, in Fliegern und Hotels verbringe. In den letzten Monaten war ich nicht nur in Japan, sondern auch in Taiwan, Dubai, Thailand, Chile und Südafrika. Um erfolgreich mit Kunden und Kollegen zusammenzuarbeiten, muss man lernen, verschiedene Kulturen und Arbeitsweisen zu akzeptieren und sich anzupassen. Die größten Unterschiede habe ich bei Meetings beobachtet. Japaner lieben lange Meetings und halten sich sehr genau an die Agenda, die Effektivität hält sich jedoch in Grenzen. In Südafrika dagegen sind die Meetings sehr kurz und meistens ohne Agenda. Die Meetings in Chile waren oft sehr laut und emotional. Die Südamerikaner scheuen sich nicht davor, offen ihre Meinung zu sagen, während mit den Chinesen die offenen Gespräche abends auf der Dinnerparty nach einigen Gläsern Wein geführt werden. Für mich ist dies der richtige Job, der mir sehr viel Spaß macht. Und obwohl ich viel unterwegs bin, bleibt genug Zeit Australien zu genießen. Schönes Wetter und zahlreiche Freizeitmöglichkeiten machen die Entscheidung nicht immer ganz leicht: Tauchen, Mountainbiken, Tennis oder doch lieber am Strand in der Sonne liegen… Australien ist zu meiner zweiten Heimat geworden. Nele Walker |